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Hilfe in der Krise

Wenn du an Suizid denkst: Es gibt Menschen, die jetzt mit dir sprechen.

Kostenlos, vertraulich, Tag und Nacht — am Telefon, im Chat oder per Nachricht. Du musst nicht in akuter Gefahr sein, um anzurufen, und du brauchst keine guten Worte. „Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich anrufe“ ist ein völlig normaler Anfang.

Diese Seite ist ein Verzeichnis. Sie sammelt, wo es Hilfe gibt, für wen sie da ist und wie du sie erreichst — auch für Menschen, die nicht telefonieren können, und für alle, die sich um jemand anderen sorgen.

This page in English

Sofort

Wenn akute Lebensgefahr besteht oder du dich bereits verletzt hast: Ruf den Notruf. Genau dafür ist er da.

Notruf

112
In Deutschland, Österreich, der Schweiz und in ganz Europa.

TelefonSeelsorge

0800 111 0 111  ·  116 123
Rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Auch 0800 111 0 222.

Unter 25

krisenchat.de
Krisenberatung per WhatsApp oder SMS, Tag und Nacht. Kein Anruf nötig.

Ärztliche Hilfe

116 117
Ärztlicher Bereitschaftsdienst, rund um die Uhr. Vermittelt auch den psychiatrischen Notdienst in deiner Nähe.

Für andere

Alle genannten Stellen sprechen auch mit dir, wenn du dir um einen anderen Menschen Sorgen machst. Du brauchst dafür keine Erlaubnis dieser Person.

Die nächsten Stunden

Du musst heute Nacht nicht dein Leben in Ordnung bringen. Es geht nur darum, durch die nächsten Stunden zu kommen, ohne dass etwas Unumkehrbares passiert.

  1. 1

    Sag es einem Menschen.

    Laut, zu einer einzigen Person: „Ich denke daran, mich umzubringen.“ Einer Freundin, einem Verwandten, einer Nachbarin, deiner Hausärztin, jemandem am Telefon. Es auszusprechen ist kein Verrat an irgendwem, und es verpflichtet dich zu nichts.

  2. 2

    Bring Abstand zwischen dich und die Mittel.

    Gib weg, schließ weg oder verlass, woran du gedacht hast — Medikamente, Waffen, Schlüssel, den Zugang zu einem Ort. Bitte jemanden, es eine Weile für dich aufzubewahren. Suizidale Krisen erreichen ihren Höhepunkt meist innerhalb von Stunden und gehen wieder zurück. Abstand verschafft dir genau diese Stunden, und das ist sehr oft der ganze Unterschied.

  3. 3

    Bleib damit nicht allein.

    Geh dorthin, wo andere Menschen sind, oder bitte jemanden zu dir, oder bleib in der Leitung. Ein Raum mit einem anderen Menschen darin ist sicherer als einer ohne — auch wenn ihr nichts sagt.

  4. 4

    Lass Alkohol und Drogen heute weg.

    Beides macht den Impuls lauter und die Pause zwischen Gedanke und Handlung kürzer. Das ist kein moralischer Punkt, sondern der häufigste einzelne Faktor bei Krisen, die in einen Versuch kippen.

  5. 5

    Mach das nächste kleine Ding.

    Wasser. Etwas essen. Duschen. Kalte Luft. Auf dem Boden liegen. Nichts davon ist eine Lösung, und niemand tut so. Es ist eine Art, Zeit vergehen zu lassen, während die Spitze sinkt.

  6. 6

    Verschieb die Entscheidung.

    „Ich entscheide bis morgen früh gar nichts“ ist eine echte Entscheidung, und sie darf die einzige sein, die du heute triffst. Und morgen früh machst du es wieder so.

Wenn Sprechen zu viel ist

Fast alle Angebote auf dieser Seite haben einen Zugang, der kein Telefonat ist. Chat- und Mailberatung bei der TelefonSeelsorge, krisenchat.de per WhatsApp oder SMS für alle unter 25, Mailberatung bei [U25], und jugendnotmail.de.

Krisentelefone und Beratung

Alles hier ist kostenlos, wenn nichts anderes dabeisteht. Fast alles ist anonym. Und nirgendwo musst du dir vorher sicher sein, dass es dir „schlecht genug“ geht.

Deutschland

TelefonSeelsorge

Rund um die Uhr · kostenlos · anonym

Telefon

0800 111 0 111

Außerdem 0800 111 0 222 und 116 123. Alle drei Nummern sind kostenfrei und erscheinen nicht auf deiner Telefonrechnung.

Chat, Mail, vor Ort

telefonseelsorge.de — Chat- und Mailberatung, persönliche Gespräche an 27 Orten und die kostenlose App KrisenKompass zum Erstellen eines Notfallplans.

krisenchat

Unter 25 · rund um die Uhr · kostenlos

WhatsApp oder SMS

krisenchat.de — schriftliche Krisenberatung mit ausgebildeten Berater:innen, Tag und Nacht. Kein Anruf, kein Termin, kein Name nötig.

[U25] Onlineberatung

u25-deutschland.de — Mailberatung speziell bei Suizidgedanken, für alle unter 25. Beantwortet von geschulten Gleichaltrigen.

Nummer gegen Kummer

Kinder, Jugendliche, Eltern

Kinder- und Jugendtelefon

116 111

Montag bis Samstag, 14–20 Uhr. Kostenlos und anonym.

Elterntelefon

0800 111 0 550

Montag bis Freitag 9–17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr. Für Eltern und alle, die für ein Kind sorgen.

Muslimisches SeelsorgeTelefon

Rund um die Uhr · kostenfrei · anonym

MuTeS

030 443 509 821

Seelsorge durch geschulte muslimische Ehrenamtliche, Tag und Nacht. Dienstags auf Türkisch; Arabisch, Urdu und weitere Sprachen nach Absprache. mutes.de

Ärztliche und psychiatrische Hilfe

Wenn du eine Ärztin brauchst

Notruf

112

Bei Lebensgefahr, auch nach einem Versuch oder einer Überdosis.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

116 117

Rund um die Uhr. Vermittelt außerhalb der Sprechzeiten ärztliche Hilfe und den psychiatrischen Notdienst.

Psychiatrische Institutsambulanz

Die Ambulanz einer psychiatrischen Klinik nimmt dich auch ohne Termin und ohne Überweisung. Du darfst dort einfach hingehen und sagen, dass du suizidale Gedanken hast.

Vor Ort und zum Weiterlesen

Keine Akutnummern

Krisendienst in deiner Stadt

Die meisten Bundesländer und Städte haben einen eigenen Krisendienst oder sozialpsychiatrischen Dienst, der dich schnell sieht, teils auch zu Hause. Such nach „Krisendienst“ oder „sozialpsychiatrischer Dienst“ plus deiner Stadt. Das ist oft der schnellste Weg zu echter, weiterführender Hilfe.

Info-Telefon Depression

0800 33 44 533

Mo, Di, Do 13–17 Uhr und Mi, Fr 8:30–12:30 Uhr. Information zu Depression und Behandlung, für Betroffene und Angehörige.

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention

suizidprophylaxe.de führt ein bundesweites Verzeichnis von Hilfsangeboten, sortiert nach Ort.

Österreich, Schweiz und weltweit

Österreich

Telefonseelsorge

142

Rund um die Uhr, kostenlos, anonym. Chat und Mail unter telefonseelsorge.at.

Rat auf Draht

147

Für Kinder und Jugendliche, rund um die Uhr und kostenlos. Chat- und Videoberatung unter rataufdraht.at.

Rettung

144

112 funktioniert ebenfalls.

Schweiz

Die Dargebotene Hand

143

Rund um die Uhr, per Telefon, Chat und Mail, auf Deutsch, Französisch und Italienisch. 143.ch

Pro Juventute

147

Für Kinder und Jugendliche, rund um die Uhr, kostenlos, auch per SMS und Chat. 147.ch

Sanität

144

112 funktioniert ebenfalls.

Weltweit

findahelpline.com erkennt dein Land und listet geprüfte, kostenlose Krisentelefone in über 130 Ländern — filterbar nach Thema und danach, ob es Telefon, Chat, SMS oder Mail gibt.

Eine englischsprachige Fassung dieser Seite, mit ausführlichen Nummern für die USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Australien und Neuseeland, findest du unter kantholz93.com/suicide.

Für bestimmte Situationen

Queere Menschen

Eine bundesweite queere Krisennummer gibt es nicht. queer-lexikon.net betreibt einen Kummerkasten für junge Menschen, und die meisten größeren Städte haben queere Beratungsstellen — such nach „queere Beratungsstelle“ plus deiner Stadt. TelefonSeelsorge und krisenchat sind in der Zwischenzeit für dich da.

Studierende

Fast jede Hochschule hat eine kostenlose Psychologische Beratung über das Studierendenwerk, meist mit kurzfristigen Krisenterminen, und sie ist von deinen Prüfungsakten getrennt. An vielen Unis gibt es außerdem eine Nightline: ein Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende, abends und nachts.

Alkohol und Drogen

Sucht & Drogen Hotline

01806 313 031

Rund um die Uhr, kostenpflichtig zum 0180-Tarif. Kostenlose Suchtberatungsstellen gibt es in jedem Landkreis — und du musst dort nicht erst aufgehört haben.

Gewalt und Missbrauch

Gewalt gegen Frauen

116 016

Rund um die Uhr, kostenlos, Beratung in 18 Sprachen.

Sexueller Missbrauch

0800 22 55 530

Anonym und kostenfrei, für Betroffene und Angehörige.

Gewalt an Männern

0800 123 99 00

Beratung für gewaltbetroffene Männer.

Weisser Ring

116 006

Opfer-Telefon für Betroffene von Straftaten.

Gehörlose und schwerhörige Menschen

Nutze die Chat- und Mailberatung der TelefonSeelsorge. Für Notfälle gibt es die Notruf-App NORA, mit der du 112 ohne Sprechen erreichst.

Wenn ein Krisentelefon für dich nicht in Frage kommt

Manche Menschen meiden diese Nummern aus Gründen, die eine ehrliche Antwort verdienen und keine Beruhigung.

„Ich habe Angst, dass sie die Polizei schicken oder mich einweisen lassen.“

Diese Angst ist häufig und sie ist nicht unvernünftig. Es lohnt sich aber zu wissen, wie die Stellen tatsächlich arbeiten.

  • Die TelefonSeelsorge beschreibt ihr Angebot als anonym und kostenfrei und weist darauf hin, dass die Anrufe nicht auf der Telefonrechnung erscheinen. Die Ehrenamtlichen dort hören zu und sprechen mit dir; sie sind kein Rettungsdienst und können keinen zu dir schicken.
  • Eine Unterbringung gegen deinen Willen ist in Deutschland ein rechtliches Verfahren nach dem PsychKG des jeweiligen Bundeslandes. Sie setzt eine ärztliche Untersuchung voraus und muss über eine sehr kurze Frist hinaus von einem Gericht bestätigt werden. Ein Beratungstelefon setzt so etwas nicht in Gang.
  • Über Suizidgedanken zu sprechen führt für sich genommen nicht zur Einweisung. Auch in der Klinik oder bei der Hausärztin geht es zuerst darum, gemeinsam mit dir einen Weg zu finden, wie du sicher durch die nächste Zeit kommst.

Selbsthilfe und Begegnung auf Augenhöhe

Nicht jede schlechte Nacht ist eine akute Krise, und nicht für jede braucht es ein Krisentelefon. Für alles davor gibt es Angebote, bei denen Menschen sitzen, die selbst durch so etwas gegangen sind.

  • nakos.de
    — die bundesweite Datenbank für Selbsthilfegruppen, auch zu Depression, Angst und Suizidalität.
  • EX-IN-Genesungsbegleitung: Menschen mit eigener Krisenerfahrung, die in Kliniken und Beratungsstellen mitarbeiten. Frag dort danach.
  • Das moderierte Diskussionsforum der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist ein vernünftiger Zwischenschritt, wenn Reden mit einem Menschen noch zu viel ist.

Du darfst vorher fragen

Du darfst jede Stelle fragen, was sie tut und was nicht, bevor du irgendetwas über dich erzählst. „Bevor ich anfange: Unter welchen Umständen würden Sie einen Rettungswagen rufen?“ ist eine faire Frage, und ein gutes Angebot beantwortet sie dir klar.

Einen Notfallplan schreiben

Ein Notfallplan ist eine kurze schriftliche Liste, die du machst, solange es dir einigermaßen geht — damit die Version von dir mitten in der Nacht nicht klar denken muss, um zu wissen, was zu tun ist. Er ist das am besten belegte Selbsthilfewerkzeug in der Suizidprävention und dauert etwa zwanzig Minuten.

  1. 1

    Meine Warnzeichen

    Die Gedanken, Gefühle, Situationen und Verhaltensweisen, die bei dir vor einer Krise kommen — in deinen eigenen Worten. Rückzug. Nachrichten nicht mehr beantworten. Ein bestimmter Satz, den du dir zu sagen beginnst.

  2. 2

    Was ich allein tun kann

    Dinge, die schon einmal die Schärfe genommen haben, ohne dass jemand anderes dabei sein musste — ein Spaziergang, eine bestimmte Playlist, duschen, ein Spiel, der Hund.

  3. 3

    Menschen und Orte, die mich ablenken

    Gesellschaft, der du nichts erklären musst. Ein Café, eine Bibliothek, eine Freundin, neben der du schweigen darfst.

  4. 4

    Menschen, die ich um Hilfe bitten kann

    Namen und Nummern, ausgeschrieben. Frag diese Menschen vorher, ob du sie auf die Liste setzen darfst — die meisten sagen ja und sind froh, gefragt worden zu sein.

  5. 5

    Fachleute und Stellen

    Hausärztin, Therapeut, der Krisendienst vor Ort, die Nummern von dieser Seite und die Adresse der nächsten psychiatrischen Ambulanz.

  6. 6

    Meine Umgebung sicherer machen

    Was du außer Reichweite bringst und wer es aufbewahrt. Entscheide das jetzt, solange es eine ruhige organisatorische Frage ist und kein Kampf mit dir selbst.

Apps und Vorlagen

  • KrisenKompass — die kostenlose App der TelefonSeelsorge, genau um diesen Plan herum gebaut.
  • Stay Alive — kostenlose App aus Großbritannien mit Notfallplan und einer „Life Box“ für Fotos und Gründe zu bleiben.
  • Papier tut es genauso. Eine gefaltete Karte im Portemonnaie hat Leben gerettet, die eine ungeöffnete App nicht gerettet hat.

Abstand zu den Mitteln

Das verdient einen eigenen Absatz, weil es das Wirksamste ist, was sich tun lässt — und das, was am häufigsten übersprungen wird. Zwischen Entschluss und Handlung liegen oft nur Minuten. Wenn das Mittel dann nicht greifbar ist, geht dieses Zeitfenster vorbei, und die große Mehrheit der Menschen, die eine suizidale Krise überlebt, stirbt später nicht durch Suizid.

Praktisch heißt das: Eine vertraute Person bewahrt deine Medikamente auf und gibt dir jeweils ein paar Tage. Größere Mengen liegen nicht in der Wohnung. Eine Waffe wird außer Haus gelagert, idealerweise getrennt von der Munition. Ein Schlüssel wird abgegeben. Nichts davon ist ein Urteil über dich, und nichts davon muss für immer sein. Es ist ein Schloss an einer Tür, die du um vier Uhr morgens lieber nicht öffnen können möchtest.

Wenn du dir um jemanden Sorgen machst

Du brauchst keine Ausbildung, und du musst nicht die Behandlung sein. Was hilft, ist gewöhnlich und unspektakulär: fragen, zuhören, bleiben, und dabei helfen, dass diese Person jemanden erreicht, der mehr kann als du.

Sprich es direkt an

Stell die Frage in klaren Worten: „Denkst du daran, dich umzubringen?“ Nicht „du machst doch keinen Blödsinn, oder?“ — das fragt nach einem Nein. Direkt zu fragen pflanzt den Gedanken nicht ein. Das ist einer der stabilsten Befunde in diesem Feld, und für viele Menschen ist es das erste Mal, dass ihnen jemand erlaubt, ja zu sagen.

Wenn die Antwort ja ist, hast du den schwersten Teil schon hinter dir. Bleib ruhig, bleib im Gespräch, und frag, wie lange das schon so geht. Du stimmst niemandem zu, indem du zuhörst.

Das hilft meistens

  • „Ich bin froh, dass du es mir sagst.“
  • „Wie lange trägst du das schon mit dir herum?“
  • Stille. Lass die Pausen lang werden.
  • „Soll ich dabei sitzen bleiben, während du da anrufst?“ — mitgehen ist besser als eine Nummer in die Hand drücken.
  • „Würdest du mir deine Tabletten für ein paar Wochen geben?“
  • Am Dienstag nochmal schreiben. Und am Dienstag darauf. An einem gewöhnlichen Tag erinnert zu werden zählt mehr als das Krisengespräch.

Das hilft meistens nicht

  • „Du hast doch so viel, wofür es sich zu leben lohnt.“ Daraus wird ein Streit, den die Person nur gewinnen kann, indem sie dir das Gegenteil beweist.
  • „Denk doch an deine Familie.“ Viele Menschen in diesem Zustand halten sich ohnehin für eine Last. Das bestätigt es.
  • „Versprich mir, dass du nichts tust.“ Ein Versprechen ist kein Plan, und es bringt der Person bei, es dir beim nächsten Mal nicht zu sagen.
  • Geheimhaltung zusagen. Sag lieber: „Das kann ich nicht versprechen, weil ich dich lieber wütend habe als gar nicht.“
  • Alles übernehmen. Lass, wo es geht, die Person selbst anrufen und entscheiden.
  • Jemanden in akuter Gefahr allein lassen, um „Raum zu geben“.

Bei akuter Gefahr

Lass die Person nicht allein und ruf 112. Wenn möglich, nimm weg oder lass wegnehmen, woran sie gedacht hat. Und wenn die Situation für dich selbst gefährlich werden könnte, bring dich zuerst in Sicherheit und überlass den Rest dem Rettungsdienst.

Und du?

Jemanden da hindurch zu begleiten ist erschöpfend, und es allein zu tragen hält niemand durch. Alle Stellen auf dieser Seite sprechen ausdrücklich auch mit dir — die TelefonSeelsorge, der Krisendienst, das Elterntelefon (0800 111 0 550) für Eltern und Sorgeberechtigte.

Nach einem Suizidversuch

Die Wochen nach einem Suizidversuch oder nach der Entlassung aus der Psychiatrie sind eine Zeit mit erhöhtem Risiko — und gleichzeitig die Zeit, in der Nachsorge am deutlichsten etwas ändert. Das ist gut zu wissen, weil es im Moment selbst selten gut erklärt wird.

  • Klärt den Nachsorgetermin vor der Entlassung, nicht danach. Am besten innerhalb einer Woche. Wenn du jemanden begleitest: frag danach und schreib auf, was vereinbart wurde, einschließlich der Frage, wen man anruft, wenn es vorher kippt.
  • Macht den Notfallplan gemeinsam mit einer Fachperson, solange noch jemand da ist, mit dem man ihn machen kann — und geh in eine Wohnung zurück, in der die Mittel schon weggeräumt sind.
  • Rechne damit, dass die Gespräche unbeholfen sind. Menschen werden oft still aus Angst, das Falsche zu sagen, und diese Stille kommt als Ablehnung an. Wenn du die Freundin bist: sag irgendetwas. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin da“ reicht völlig.

Wenn jemand durch Suizid gestorben ist

Trauer nach einem Suizid trägt Dinge, die gewöhnliche Trauer nicht trägt: das unbeantwortbare Warum, die Schuldgefühle, die Unsicherheit der anderen — und oft ein erhöhtes eigenes Risiko. Unterstützung von Menschen, die dasselbe erlebt haben, hilft hier anders als allgemeines Mitgefühl.

AGUS e.V.

agus-selbsthilfe.de — die bundesweite Anlaufstelle für Angehörige nach Suizid, mit Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland, Seminaren und sehr guten schriftlichen Materialien für die ersten Wochen.

Verwaiste Eltern

veid.de — Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister, mit Gruppen vor Ort.

Sofort und persönlich

Die Notfallseelsorge kommt in der akuten Situation zu dir nach Hause; sie wird über die Leitstelle (112) alarmiert. Die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111) ist auch Wochen und Jahre später für dich da.

Nach der Krise: einen Therapieplatz bekommen

Krisentelefone bringen Menschen durch eine Nacht. Was das nächste Jahr verändert, ist meistens Behandlung — und das Schwierige daran ist in Deutschland nicht die Bereitschaft, sondern die Warteliste.

  • Ruf 116 117 an und bitte die Terminservicestelle um eine psychotherapeutische Sprechstunde. Sie ist verpflichtet, dir eine zu vermitteln, und das ist der offizielle Eingang ins System.
  • In dieser Sprechstunde bekommst du eine schriftliche Empfehlung, das Formular PTV 11. Heb es auf — du brauchst es für alles Weitere, auch für das Kostenerstattungsverfahren, bei dem deine Krankenkasse eine Privatpraxis bezahlt, weil rechtzeitig kein Kassenplatz frei war.
  • Ruf trotzdem selbst Praxen ab, während ihrer telefonischen Sprechzeiten. Das ist mühsam und funktioniert öfter, als das Verzeichnis vermuten lässt.
  • Deine Hausärztin kann dich behandeln, krankschreiben und dringlich überweisen. Eine akute Krise ist ein Grund, schnell gesehen zu werden — und das Wort „suizidal“ laut auszusprechen verändert, wie schnell sich Dinge bewegen.

Wartezeit ist kein Urteil. Nutz die Nummern auf dieser Seite so oft du sie brauchst — sie sind nicht rationiert, und zweimal in einer Woche anzurufen ist keine Zumutung. Und behandle die Hoffnungslosigkeit selbst mit etwas Misstrauen: Sie ist eines der Symptome, was heißt, dass sie dich über deine Aussichten mit derselben Überzeugung anlügt wie über alles andere.

Was im Weg steht

„Anderen geht es viel schlechter.“

Niemand am Krisentelefon führt einen Vergleich. Es gibt keine Schwelle des Leidens, die du überschreiten musst, und den Ehrenamtlichen ist ein Gespräch an einem Dienstag, an dem es nur schlecht ist, tausendmal lieber als der Notfall später.

„Darüber zu reden macht es schlimmer.“

Das Gegenteil ist belegt. Direkt gefragt zu werden und ehrlich antworten zu dürfen senkt die Anspannung verlässlich, statt sie zu erhöhen — bei dem, der fragt, wie bei dem, der gefragt wird.

„Das ist eine Entscheidung, die ich in Ruhe getroffen habe.“

Fast alle Menschen in einer suizidalen Krise sind bis zuletzt hin- und hergerissen. Deshalb melden sich so viele im letzten Moment doch noch, und deshalb lebt die große Mehrheit derer, die eine Krise überleben, danach weiter. Von innen fühlt sich diese Zerrissenheit nicht wie Zweifel an, sondern wie Klarheit. Es lohnt sich, dem Zweifel mehr Zeit zu geben, als er verlangt.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Dann sag genau das. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich brauchte nur, dass jemand rangeht“ ist ein völlig normaler Anfang, und die Person am anderen Ende hat ihn schon oft gehört. Sie übernimmt von dort.