Gewalt & Missbrauch
Du musst nicht beweisen, dass es schlimm genug war, bevor du dir Hilfe holen darfst.
Es gibt ein kostenloses, anonymes Hilfetelefon, das um drei Uhr nachts in 18 Sprachen antwortet, ein Gesetz, das die gewalttätige Person aus der Wohnung holt statt dich, und Ärztinnen und Ärzte, die Verletzungen dokumentieren, ohne dass die Polizei je davon erfährt. Die meisten Menschen erfahren davon Jahre später, als sie es gebraucht hätten.
Diese Seite erklärt, was es gibt, was zuerst zu tun ist und was du heute tun kannst, ohne dich dauerhaft festzulegen.
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Wenn es gerade passiert
Akute Gefahr zuerst. Alles Weitere auf dieser Seite hat bis morgen Zeit.
Jetzt sofort
Polizei 110. Rettungsdienst und Feuerwehr 112. Du musst dir nicht sicher sein, und du musst keine Anzeige wollen — die Polizei darf gerufen werden, damit es heute Nacht aufhört.
Zu jeder Uhrzeit, in jeder Sprache
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen antwortet unter 116 016 — kostenlos, anonym, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr, mit Beratung in 18 Sprachen und in Deutscher Gebärdensprache. Auch Angehörige, Freundinnen, Freunde und Fachkräfte dürfen anrufen. Online-Beratung und Chat: hilfetelefon.de.
Wenn es ein Kind ist — oder wenn du es warst
Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch antwortet unter 0800 22 55 530 — Mo, Mi und Fr 9:00–14:00 Uhr, Di und Do 15:00–20:00 Uhr — kostenfrei und anonym, getragen von N.I.N.A. e.V. Es ist für Kinder und Jugendliche da, für Erwachsene, die als Kind missbraucht wurden, und für alle mit einem Verdacht, den sie nicht belegen können. Kinder und Jugendliche erreichen zusätzlich 116 111, kostenlos und anonym, Mo–Sa 14:00–20:00 Uhr. Wenn ein Kind gerade in Gefahr ist: 110 oder das örtliche Jugendamt. Beratungsstellen in deiner Nähe und ein sicherer Chat: hilfe-portal-missbrauch.de.
Heute Nacht unterkommen
Frauenhäuser nehmen Frauen und ihre Kinder auf, meist zu jeder Uhrzeit. frauenhaus-suche.de listet über 350 Häuser mit grüner oder roter Markierung, ob gerade eine Aufnahme möglich ist — ruf das Haus vorher an, und ruf 116 016 an, wenn das nächste voll ist. Die Adresse eines Frauenhauses steht nirgends öffentlich, und du musst nicht begründen, warum du weit weg von zu Hause willst.
Er ist noch in der Wohnung
Die Polizei kann die gewalttätige Person aus der Wohnung weisen und ihr die Rückkehr verbieten — Wohnungsverweisung und Rückkehrverbot. Die Dauer regelt jedes Bundesland selbst: in Nordrhein-Westfalen zehn Tage, in Niedersachsen bis zu vierzehn. Dieses Zeitfenster ist dafür da, dass du beim Familiengericht eine längere Anordnung beantragen kannst. Nicht du bist diejenige, die gehen muss.
Verletzungen
Sie können untersucht und dokumentiert werden, ohne jede Anzeige, und der Befund wird für dich aufbewahrt, bis du entscheidest — siehe Spuren sichern ohne Anzeige weiter unten. Mach das, bevor blaue Flecken verblassen, auch wenn du sicher bist, nie anzuzeigen.
Wenn du ein Mann bist
Das Hilfetelefon Gewalt an Männern antwortet unter 0800 1239900, Mo–Do 08:00–20:00 und Fr 08:00–15:00 Uhr, anonym und kostenlos, mit Chat: maennerhilfetelefon.de.
Wenn es sich nicht überlebbar anfühlt
Krisennummern und Sicherheitsplanung: kantholz93.com/suizid. Die TelefonSeelsorge erreichst du unter 0800 111 0 111, kostenlos und anonym, rund um die Uhr. Akute Gefahr: 112.
Ist das schlimm genug, um zu zählen?
Diese Frage hält Menschen jahrelang von Hilfe fern, deshalb hier die klare Antwort: Jeder Dienst auf dieser Seite spricht mit dir, ohne dass du irgendetwas beweisen musst — und keiner entscheidet für dich, wie es weitergeht.
Gewalt ist nicht nur das, was Spuren hinterlässt. Kontrolliert werden, überwacht werden, vom eigenen Geld abgeschnitten sein, in Zustimmung hineingeängstigt werden, Drohungen, Verfolgung, das ständige Zermürben, bis du an deiner eigenen Erinnerung zweifelst — all das kennen die Menschen an diesen Telefonen, und nichts davon braucht einen blauen Fleck als Beleg.
Es zählt auch in der Ehe und danach. Das deutsche Recht macht bei Partnern keine Ausnahme. Sexualisierte Gewalt in einer Beziehung ist eine Straftat wie jede andere, und eine gemeinsame Adresse ersetzt keine Zustimmung.
Anrufen ist keine Anzeige. Ein Hilfetelefon ist nicht mit der Polizei verbunden. Eine Beratung verpflichtet dich zu nichts — nicht zur Anzeige, nicht zum Gehen, nicht einmal zum Zurückrufen.
Dein Aufenthaltsstatus schließt dich nicht aus. Frauenhäuser und Fachberatungsstellen nehmen Frauen unabhängig vom Status auf, und es gibt aufenthaltsrechtliche Wege, die nicht davon abhängen, bei einem Ehepartner zu bleiben. Sag es am Telefon; das ist eine Frage, die dort täglich beantwortet wird.
Ambivalenz ist normal und ausdrücklich erlaubt. Die meisten, die diese Nummern wählen, gehen nicht. Sie wollen, dass es aufhört, oder mit jemandem laut denken, der nicht zur Familie gehört. Dafür ist jeder Dienst auf dieser Seite ausdrücklich da.
Die Nummern, an einem Ort
Alle kostenlos, alle anonym, keine davon mit der Polizei oder einer Behörde verbunden.
Rund um die Uhr
Antwortet zu jeder Uhrzeit, an jedem Tag im Jahr
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
116 016
24/7, kostenlos, anonym, 18 Sprachen, Gebärdensprache, Online-Beratung und Chat. Für betroffene Frauen und für Angehörige, Freundinnen, Freunde und Fachkräfte. Auf älteren Flyern steht noch 08000 116 016. hilfetelefon.de
Polizei / Notruf
110
Polizei. 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr. Beide kostenlos von jedem Telefon, auch ohne Guthaben.
Männer, und Opfer von Straftaten allgemein
Hilfetelefon Gewalt an Männern
0800 1239900
Mo–Do 08:00–20:00, Fr 08:00–15:00 Uhr; Chat Mo–Do 12:00–15:00 und 17:00–19:00 Uhr. Getragen von fünf Bundesländern. maennerhilfetelefon.de
Weisser Ring
116 006
Opfer-Telefon, sieben Tage die Woche 07:00–22:00 Uhr, kostenlos. Örtliche Außenstellen begleiten bundesweit zur Polizei und vor Gericht. weisser-ring.de
Kinder, Jugendliche, Eltern
Nummer gegen Kummer — für Kinder und Jugendliche
116 111
Mo–Sa 14:00–20:00 Uhr, kostenlos und anonym; samstags beraten Jugendliche selbst. Chat Mo–Do 14:00–20:00 Uhr, E-Mail-Antwort innerhalb von zwei Tagen.
Elterntelefon
0800 111 0550
Mo, Mi, Fr 09:00–17:00 Uhr; Di und Do 09:00–19:00 Uhr. Für Eltern am Ende ihrer Kraft — ausdrücklich auch, bevor etwas passiert ist.
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch
0800 22 55 530
Mo, Mi, Fr 09:00–14:00 Uhr; Di und Do 15:00–20:00 Uhr. Für Betroffene und für alle, die ein Kind schützen wollen — auch bei einem Verdacht, den man nicht belegen kann. hilfe-portal-missbrauch.de
Was das Recht tatsächlich kann
Das Gewaltschutzgesetz ist kurz, unspektakulär und erstaunlich praktisch. Es ist der Grund, warum die Person, die zugeschlagen hat, diejenige sein kann, die ausziehen muss.
Schutzanordnung — § 1 GewSchG
Beantragt wird sie beim Familiengericht, im Eilverfahren auch, ohne dass die andere Person vorher angehört wird. Das Gericht kann anordnen, dass sie es unterlässt,
deine Wohnung zu betreten oder sich ihr bis auf einen bestimmten Umkreis zu nähern;
Orte aufzusuchen, an denen du dich regelmäßig aufhältst — Arbeitsplatz, Kita, ein Weg, den du täglich gehst;
Kontakt aufzunehmen, auch per Telefon, Nachricht oder über Dritte;
ein Zusammentreffen mit dir herbeizuführen.
Ein Verstoß gegen die Anordnung ist nach § 4 GewSchG eine eigene Straftat — Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Das wiegt schwerer, als es klingt: Es macht aus jedem späteren Kontakt statt einer Diskussion darüber, was passiert ist, eine Polizeisache mit einem Dokument dahinter.
Die Wohnung — § 2 GewSchG
Das Gericht kann dir die gemeinsam genutzte Wohnung allein zuweisen. Gehört oder mietet die andere Person sie, ist die Überlassung auf höchstens sechs Monate befristet, verlängerbar um weitere sechs, wenn du bis dahin nichts anderes gefunden hast. Eine Frist übersehen viele: Das Verlangen muss innerhalb von drei Monaten nach der Tat schriftlich gestellt werden. Wer im Mietvertrag steht, entscheidet die Sache nicht.
Stalking — § 238 StGB
Beharrliches Nachstellen, unerwünschte Kontaktaufnahme, Bestellungen auf deinen Namen, Drohungen, Spähsoftware oder das Verbreiten von Bildern von dir ist strafbar — bis zu drei Jahre, in besonders schweren Fällen drei Monate bis fünf Jahre, unter anderem wenn es über sechs Monate andauert oder Überwachungssoftware eingesetzt wurde. Führe ein Verzeichnis mit Datum zu jedem Vorfall; das ist das Einzige, was diese Verfahren beweisbar macht.
Kostenlose Begleitung durch das Verfahren
Die psychosoziale Prozessbegleitung nach § 406g StPO stellt dir eine geschulte Person zur Seite, die dich durch Ermittlungen und Verhandlung begleitet, erklärt, was gerade passiert, und bei deiner Vernehmung dabei ist. Bei schweren Straftaten wird sie kostenfrei beigeordnet, sonst bei besonderer Schutzbedürftigkeit. Sie ist keine anwaltliche Vertretung und spricht mit dir bewusst nicht über den Inhalt deiner Aussage — damit ihre Anwesenheit dir später nicht vorgehalten werden kann. Frag bei der Anzeige danach, oder lass sie über den Weissen Ring organisieren.
Spuren sichern, ohne Anzeige
Das ist der Teil, von dem die wenigsten je gehört haben — und der, der dir Zeit zurückkauft.
Bei der anonymen (oder vertraulichen) Spurensicherung untersucht und dokumentiert ärztliches Personal Verletzungen und sichert Spuren — in einer Praxis, einer Klinik oder einer rechtsmedizinischen Gewaltschutzambulanz — ohne jede Anzeige. Die Untersuchung ist kostenfrei, dauert bis zu etwa zwei Stunden und erfasst den ganzen Körper, nicht nur die Stelle, die du zuerst nennst. Niemand wird informiert. Nichts wird ausgelöst.
Sie ist anzeigenunabhängig — sag genau dieses Wort am Telefon. Wer hingeht, stimmt damit nichts zu.
Der Befund wird für dich aufbewahrt. Wie lange, regeln die Länder unterschiedlich: von etwa zwei Jahren in Bayern bis zu zehn Jahren andernorts. Frag in der Ambulanz, was bei dir gilt. Entscheidest du dich Monate oder Jahre später doch für eine Anzeige, sind die Spuren noch da — und genau darum geht es, denn diese Entscheidung fällt fast immer lange nachdem die Verletzungen verheilt sind.
Geh so früh wie möglich, spät lohnt sich trotzdem. Früher sichert mehr, aber auch abheilende Verletzungen zu dokumentieren hat Wert. Nach einer Vergewaltigung möglichst nicht duschen und die Kleidung in einer Papier-, nicht Plastiktüte aufbewahren — aber lass dich davon, dass du schon geduscht hast, nicht abhalten.
116 016 sagt dir, wo. Das Angebot ist regional sehr unterschiedlich, und das Hilfetelefon hat die Liste für deine Gegend.
Dokumentiere zusätzlich selbst. Verletzungen mit sichtbarem Datum fotografieren, drohende Nachrichten aufheben statt löschen, aufschreiben, was wann passiert ist, solange es frisch ist. Kopien dort lagern, wo die andere Person nicht herankommt — bei einem vertrauten Menschen, im Arbeitsaccount, in einem Schließfach der Beratungsstelle.
Ein Ort zum Hingehen, und Menschen zum Reden
Frauenhäuser
Über 350 Häuser sind auf frauenhaus-suche.de verzeichnet, jeweils grün oder rot markiert, ob gerade eine Aufnahme möglich ist — ein Hinweis, keine Garantie, also ruf immer das Haus selbst an. Kinder kommen mit. Die Adresse bleibt vertraulich. Du darfst ein Haus in einer anderen Stadt wählen, und es gibt keine Regel, dass du es zuerst beim nächstgelegenen versuchen musst. Ist in der Nähe alles voll, sucht 116 016 mit dir weiter, statt dich allein herumtelefonieren zu lassen.
Fachberatungsstellen
Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe machen die Arbeit, die kein Notfall ist: nachdenken, Vorbereitung auf ein Verfahren, Begleitung zu Behörden, Vermittlung von Therapie, Unterstützung noch lange danach. Kostenlos und vertraulich — und nutzbar, ohne je in die Nähe eines Frauenhauses zu kommen. Über die Postleitzahl findest du eine Stelle bei frauen-gegen-gewalt.de, zu dessen Mitgliedern auch Angebote für Frauen und Mädchen mit Behinderung gehören.
Eines noch, bevor du irgendwo anrufst: Die Trennung ist statistisch die gefährlichste Phase, nicht das sichere Ende. Das ist kein Argument fürs Bleiben — es ist der Grund, das Gehen mit jemandem zu planen, der das beruflich tut, statt allein und in Eile, und es der Person, von der du weggehst, nicht vorher anzukündigen.
Geld, Behandlung und die Zeit danach
Gewalt löst in Deutschland ein Entschädigungssystem aus, von dem kaum jemand weiß — und es setzt keine Verurteilung voraus.
Soziale Entschädigung (SGB XIV). Seit dem 1. Januar 2024 ersetzt sie das alte Opferentschädigungsgesetz. Sie gilt für Opfer von Gewalttaten — ausdrücklich auch bei psychischer Gewalt, bei schwerer Vernachlässigung von Kindern und bei Betroffenen von Missbrauchsdarstellungen — und umfasst Krankenbehandlung, Teilhabeleistungen, Leistungen bei Pflegebedürftigkeit und Zahlungen. Antrag beim Landesversorgungsamt.
Traumaambulanz, schnell und vor jeder Entscheidung über den Antrag. Zu den schnellen Hilfen gehören psychotherapeutische Sitzungen in einer Traumaambulanz — für Erwachsene bis zu 15, für Kinder und Jugendliche bis zu 18 Sitzungen — gedacht, um dich innerhalb von Wochen zu erreichen statt nach den Jahren, die ein regulärer Therapieplatz dauert. Frag ausdrücklich danach.
Eine Anzeige ist keine Voraussetzung für die Behandlung, und ein Verfahren, das nie vor Gericht kommt, beendet den Anspruch nicht. Beratungsstellen und der Weisse Ring helfen beim Papierkram — dem Teil, an dem die meisten scheitern.
Hilfeschecks des Weissen Rings. Die örtlichen Außenstellen geben Schecks für eine anwaltliche Erstberatung oder eine psychologische Sitzung aus und überbrücken damit die Wartezeit langsamerer Systeme. Über 116 006 nach der Außenstelle vor Ort fragen.
Das Gewalthilfegesetz. Am 31. Januar 2025 vom Bundestag beschlossen, am 14. Februar 2025 vom Bundesrat gebilligt. Es verpflichtet die Länder, bis 2027 ein ausreichendes Netz an Schutz- und Beratungsangeboten sicherzustellen; der Bund beteiligt sich mit 2,6 Milliarden Euro bis 2036. Der individuelle Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung gilt ab dem 1. Januar 2032. Das ist weit weg — und es ist gut zu wissen, dass der heutige Platzmangel ein offiziell eingeräumtes Finanzierungsproblem ist und kein Beleg dafür, dass du zu viel verlangst.
Es trifft nicht nur Frauen, und nicht nur Partnerinnen
Männer. Das von fünf Ländern getragene Hilfetelefon Gewalt an Männern gibt es genau deshalb, weil die Annahme, das komme nicht vor, Männer jahrelang schweigen lässt: 0800 1239900, Mo–Do 08:00–20:00, Fr 08:00–15:00 Uhr.
LGBTQIA+. Gewalt in queeren Beziehungen ist für Angebote, die ein anderes Bild im Kopf haben, oft unsichtbar — und die Drohung mit dem Outing kommt in keinem anderen Punkt dieser Seite vor. Der Weisse Ring (116 006) unterstützt Opfer von Straftaten unabhängig vom Geschlecht, queerspezifische Beratung steht auf der
LGBTQIA+-Seite
.
Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben ein Vielfaches an Gewalt und die größten Zugangshürden. Das Projekt Suse hilft des bff und die barrierefreien Wege des Hilfetelefons — Gebärdensprache und Beratung in Leichter Sprache — sind genau dafür da. Wenn die Person, die dir wehtut, dich pflegt, sag das am Telefon; das ändert, was vorgeschlagen wird.
Ältere Menschen und Menschen in Pflege. Gewalt in einer Pflegebeziehung nennt kaum jemand der Beteiligten so. Der Weisse Ring nimmt diese Anrufe an, das Hilfetelefon ebenso.
Kinder. Sie werden nicht erst geschädigt, wenn sie selbst geschlagen werden, sondern schon durch das Zusehen. 116 111 gehört ihnen, kostenlos und anonym. Erwachsene, die sich um ein Kind sorgen — auch bei einem Verdacht, den sie nicht belegen können — rufen 0800 22 55 530 an. Sicher sein musst du nicht, und schlecht zu fragen ist besser als nicht zu fragen.
Zwangsverheiratung und sogenannte Ehrgewalt. Das Hilfetelefon berät dazu in 18 Sprachen, auch wenn die Bedrohung aus der eigenen Familie kommt und der sichere Weg aus der Region hinausführt.
Handy, Konten und Überwachung
Moderne Kontrolle ist vor allem Verwaltung, und was dich verrät, ist banal: ein Einzelverbindungsnachweis, ein geteiltes Konto, ein Auto.
Geh davon aus, dass ein Familienvertrag zeigt, wen du angerufen hast. Ein Einzelverbindungsnachweis listet Nummern und Dauer. Wo das ein Risiko ist: vom Telefon einer Freundin, von der Arbeit, aus einer Beratungsstelle oder von einem öffentlichen Telefon anrufen. Von der Seite des Hilfetelefons aus ist ein Anruf nicht zu dir zurückverfolgbar — dein eigenes Gerät ist die andere Frage.
Geteilte Logins sind das häufigste Leck. Ein gemeinsames Apple- oder Google-Konto auf zwei Handys synchronisiert Nachrichten, Fotos, Browser-Tabs und Standort, ganz ohne installierte Software. Prüfe Wo ist? und Google-Standortfreigabe, Familientarife, geteilte Kalender und jedes Tablet oder Auto, in dem du noch angemeldet bist.
Stalkerware gibt es, und sie wird offen verkauft. Wenn jemand Dinge weiß, die er nicht wissen kann, ist das Grund genug, das Gerät prüfen zu lassen, statt an dir selbst zu zweifeln. Reiß sie nicht überstürzt herunter: Das fällt auf, kann die Lage verschärfen und vernichtet unter Umständen Beweise. Frag vorher in einer Beratungsstelle.
Auf gemeinsam genutzten Geräten ein privates Fenster benutzen — das Risiko ist dein Browserverlauf, nicht diese Seite. Diese Seite setzt keine Cookies, nutzt keine Analyse und lädt nichts von Dritten; von deinem Besuch wird nirgends etwas gespeichert. Dein Browser merkt ihn sich trotzdem.
Den langweiligen Papierkram früh vorbereiten, solange du es in Ruhe kannst: Ausweis, Aufenthaltstitel, Geburts- und Heiratsurkunde, Bankkarten, Medikamente, Sorgerechtspapiere — fotografieren und Kopien bei einem Menschen deines Vertrauens lassen, nicht in der Wohnung.
Österreich, Schweiz und darüber hinaus
Österreich
Frauenhelpline gegen Gewalt
0800 222 555
Rund um die Uhr, kostenlos, anonym und vertraulich. Online-Beratung Mo–Fr 18:00–20:00 Uhr über haltdergewalt.at. frauenhelpline.at
Gewaltschutzzentren in ganz Österreich
0800 700 217
Beratung und Prozessbegleitung in allen Bundesländern.
Schweiz
Opferhilfe Schweiz
142
Landesweite Nummer zur Opferhilfe — kostenlos, vertraulich und anonym, bei häuslicher Gewalt, Körperverletzung, sexualisierter Gewalt, Stalking und Menschenhandel. Keine Notrufnummer: bei akuter Gefahr die Polizei rufen. Alle Beratungsstellen: opferhilfe-schweiz.ch
Vereinigtes Königreich und Irland
National Domestic Abuse Helpline
0808 2000 247
24 Stunden, kostenlos, getragen von Refuge. Irland: Women's Aid 1800 341 900, ebenfalls rund um die Uhr. Weitere Nummern für Männer, queere Menschen und Betroffene sexualisierter Gewalt stehen auf der englischen Fassung dieser Seite.
Sonst überall
116 016 und 116 006 sind EU-weit harmonisierte Nummern — 116 016 für von Gewalt betroffene Frauen, 116 006 für Opfer von Straftaten. Sie sind aber nur in den Ländern geschaltet, die sie eingeführt haben; verlass dich über die Grenze hinweg nicht darauf. Verlässlich ist überall dasselbe Muster: die nationale Frauen- oder Opferhilfeorganisation suchen statt der Angebote, die Werbung schalten, und dort fragen, welche Stelle vor Ort Menschen in deiner Lage aufnimmt. In den USA: National Domestic Violence Hotline 1-800-799-7233, oder START an 88788 schreiben.
Wenn es jemand anderes ist
Jedes Hilfetelefon auf dieser Seite berät auch Angehörige, Freundinnen, Freunde und Kolleginnen — du brauchst dafür keine Erlaubnis der betroffenen Person, und du musst nicht vorher wissen, was du sagen sollst.
Sag es einmal, und lass dann die Tür offen. „Mir ist etwas aufgefallen, ich verurteile nichts, und ich bin da, wie du dich auch entscheidest" bringt mehr als jedes Argument fürs Gehen. Ultimaten — wenn du zurückgehst, war's das mit mir — nehmen den letzten Kontakt weg, wenn es schlimmer wird. Genau so entsteht die Isolation, die Menschen bleiben lässt.
Biete Konkretes an, nicht Bereitschaft. Einen Zweitschlüssel, eine Tasche, die bei dir steht, eine Fahrt am Donnerstag, Kopien von Dokumenten, Mitkommen und im Wartezimmer sitzen. Vage Angebote sind schwer anzunehmen.
Schreib mit Datum auf, was du siehst. Notizen einer dritten Person, die zeitnah entstanden sind, wiegen später schwer — Erinnerung allein nicht.
Geht es um ein Kind und du machst dir Sorgen: 0800 22 55 530 berät zu einem Verdacht, sonst das örtliche Jugendamt. Sich zu irren ist verkraftbar; das Gegenteil oft nicht.
Bei akuter Gefahr 110. Für einen Notruf brauchst du keine Zustimmung der gefährdeten Person, und Nachbarn, die anrufen, müssen nicht sofort eine Aussage machen.
Der Teil, den niemand aufschreibt
Der häufigste Grund, keine dieser Nummern zu wählen, ist nicht die Angst vor der Gewalt. Es ist die Gewissheit, nicht geglaubt zu bekommen — oder gesagt zu bekommen, was zu tun ist: dass das Gespräch damit endet, dass eine fremde Person entscheidet, du müsstest heute Nacht gehen, morgen anzeigen und die Kinder am Montag aus der Schule nehmen. So arbeiten diese Stellen nicht. Sie sind, fast bis zur Übertreibung, darauf gebaut, nichts zu tun, worum du nicht gebeten hast.
Der zweite Grund ist die Rechnung, die alle im Stillen aufmachen und fast niemand ausspricht: das Geld, die Wohnung, der Aufenthaltstitel, der Hund, die Schule der Kinder, und dass du ihn dienstags immer noch liebst. Beraterinnen kennen das alles. Es ist der eigentliche Gegenstand des Gesprächs und keine peinliche Ablenkung davon.
Wenn von dieser Seite nur drei Sätze bleiben, dann diese: Die gewalttätige Person kann gehen müssen, nicht du. Verletzungen lassen sich jahrelang dokumentieren, ohne ein Wort zur Polizei. Und ein Anruf verpflichtet dich zu gar nichts. Keiner dieser Sätze verlangt, dass du irgendetwas schon entschieden hast.
Und wenn es an dem Punkt ist, an dem das eigene Leben zu beenden wie der Ausweg wirkt: Behandle das bitte als eigenen Notfall und nicht als etwas, das man danach löst — kantholz93.com/suizid. TelefonSeelsorge, 0800 111 0 111, kostenlos und anonym, rund um die Uhr.