Queere Hilfe & Anlaufstellen
Ein Anfang — wofür auch immer du ihn gerade brauchst.
Beratung von queeren und trans Menschen. Coming-out, in jedem Alter. Vorname und Geschlechtseintrag ändern. Ärzt:innen finden, die es nicht seltsam machen. Familie, die Zeit braucht. Irgendwohin kommen, wo es sicher ist. Oder einfach in einem Raum mit Leuten sitzen, denen du nichts erklären musst.
Diese Seite ist ein Verzeichnis, kein Ratschlag. Nichts hier verlangt von dir ein Label, Sicherheit oder ein Outing.
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Wenn du jetzt jemanden brauchst
Alles kostenlos. Eine bundesweite queere Krisennummer gibt es in Deutschland nicht — die folgenden Stellen sind trotzdem für dich da.
Notruf
112
Bei akuter Gefahr, in Deutschland, Österreich, der Schweiz und ganz Europa.
Rund um die Uhr
0800 111 0 111
TelefonSeelsorge — kostenlos und anonym, nicht queer-spezifisch, aber offen für alles. Auch 116 123.
Unter 25
krisenchat.de
Per WhatsApp oder SMS, Tag und Nacht. Schriftlich, kein Anruf nötig.
Schriftlich, queer
queer-lexikon.net
Der Kummerkasten beantwortet Fragen zu Identität, Coming-out und Alltag — von Menschen, die selbst queer sind.
Schweiz
0800 133 133
LGBTIQ Helpline, Mo–Fr 19–21 Uhr, kostenlos, auch per Chat und Mail. Österreich: 142 und 147.
Beratung finden
Nichts davon setzt eine Krise voraus. Das meiste gibt es genau für die gewöhnlichen Fragen — die, die zu klein wirken, um jemanden damit zu behelligen, und zu groß, um allein damit zu sitzen.
Vor Ort in Deutschland
Queere Beratungsstellen
Deutschland hat kein zentrales Telefon, aber ein dichtes Netz lokaler Stellen. Such nach „queere Beratungsstelle“, „LSBTIQ Beratung“ oder „queeres Zentrum“ plus deiner Stadt. Die Beratung ist in der Regel kostenlos, vertraulich und ohne Krankenkasse.
LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt
lsvd.de listet die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Landesverbände, sortiert nach Bundesland — von Coming-out über Regenbogenfamilien bis Antidiskriminierung.
Inter* und trans* Beratung
Der Paritätische führt ein bundesweites Verzeichnis der Beratungsstellen für inter* und trans* Personen.
Junge Menschen
Fast jede größere Stadt hat eine queere Jugendgruppe — oft der unkomplizierteste Einstieg, weil dort niemand erwartet, dass du dir sicher bist. An Hochschulen gibt es das Queer-Referat oder die queere AStA-Gruppe, meist mit einem offenen Abend pro Woche.
Schriftliche Beratung: queer-lexikon.net, krisenchat.de und jugendnotmail.de. Alle kostenlos und ohne Namen.
Österreich und Schweiz
Schweiz — LGBTIQ Helpline
0800 133 133
Mo–Fr 19–21 Uhr, kostenlos, Peer-Beratung, auch Chat und Mail — und Meldestelle für queerfeindliche Gewalt. Für junge Menschen: du-bist-du.ch.
Österreich
Beratung in der Rosa Lila Villa in Wien und bei Courage. Rund um die Uhr: 142 (Telefonseelsorge) und 147 (Rat auf Draht, für junge Menschen).
Coming-out
Es gibt keine Frist und keine richtige Reihenfolge. Viele outen sich mit vierzehn, viele mit vierzig, viele mit siebzig, und viele sind ihr Leben lang bei manchen Menschen geoutet und bei anderen nicht. Das alles ist eine normale Art zu leben.
Du schuldest niemandem diese Information. Geoutet zu sein ist nicht ehrlicher als nicht geoutet zu sein. Es ist eine Entscheidung über deine eigene Sicherheit, deine Kraft und deine Umstände — und du bist die einzige Person, die alle Fakten kennt.
Fang bei der sichersten Person an, nicht bei der wichtigsten. Eine Freundin, ein Cousin, eine anonyme Beratung. Den Satz einmal laut gesagt zu haben macht das zweite Mal leichter — und du merkst, was du eigentlich sagen willst.
Überleg dir vorher, was du aus dem Gespräch brauchst — Zuspruch, praktische Hilfe, oder einfach gekannt zu werden. Es auszusprechen („Ich brauche keinen Rat, ich wollte nur, dass du es weißt“) verhindert eine Menge ungeschickter Reaktionen.
Wenn du finanziell oder beim Wohnen von jemandem abhängst, nimm das ernst. Zu warten, bis du auf eigenen Füßen stehst, ist keine Feigheit, sondern Planung.
Erste Reaktionen sind oft nicht die letzten. Gerade Eltern brauchen häufig Monate, und viele landen am Ende ganz woanders, als sie angefangen haben. Das ist kein Versprechen, aber es kommt oft genug vor, um es zu wissen.
Wenn du gegen deinen Willen geoutet wurdest
Das ist nicht dein Versagen und nicht das Ende von irgendetwas. Geh zu jemandem, bei dem es sicher ist, und kümmer dich zuerst um das Praktische: wo du heute schläfst, wer Zugriff auf deine Geräte und Konten hat, und wer wirklich was wissen muss. Wenn ein Outing als Druckmittel oder Erpressung eingesetzt wird, ist das strafbar — eine queere Beratungsstelle oder ein Anti-Gewalt-Projekt hilft dir bei den nächsten Schritten.
Trans und nicht-binär
Nichts hier verlangt, dass du dir sicher bist, eine Diagnose hast, eine medizinische Behandlung willst — oder irgendetwas davon in der üblichen Reihenfolge. Sich unsicher zu sein ist ein legitimer Ort, und viele Menschen bleiben lange dort.
Vornamen und Geschlechtseintrag ändern
Seit dem 1. November 2024 gilt das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) und hat das alte Transsexuellengesetz abgelöst. Du änderst Vornamen und Geschlechtseintrag durch eine eigene Erklärung beim Standesamt — ohne ärztliche Atteste, ohne Gutachten, ohne Gericht.
Es sind zwei Schritte. Zuerst die Anmeldung beim Standesamt, schriftlich mit eigener Unterschrift oder persönlich — Telefon und E-Mail reichen nicht. Danach, nach einer Frist von drei Monaten, gibst du die eigentliche Erklärung ab.
Lass die Anmeldung nicht verfallen. Wenn die Erklärung nicht innerhalb von sechs Monaten erfolgt, verfällt die Anmeldung und du fängst von vorn an.
Für Volljährige gibt es keine Beratungspflicht. Für Minderjährige ist vor der Erklärung eine Beratung durch eine geeignete Stelle vorgeschrieben.
Lies vorher einen Leitfaden.
sbgg.info
und der Leitfaden Selbstbestimmung des LSVD⁺ gehen das ganze Verfahren durch — auch das, was zu tun ist, wenn ein Standesamt es falsch macht.
Der dgti-Ergänzungsausweis
Für die Wartezeit — oder wenn du deine Dokumente gar nicht ändern willst — gibt es den Ergänzungsausweis der dgti: ein standardisierter Zusatzausweis mit deinem tatsächlichen Vornamen, deinen Pronomen, deinem Geschlecht und einem aktuellen Foto. Er hat keine Rechtskraft, wird aber von vielen Hochschulen, Arbeitgebern, Banken, Versicherungen und Behörden anerkannt und erspart eine große Zahl demütigender Gespräche. Antrag online über die dgti.
Bundesverband Trans*
bundesverband-trans.de — der bundesweite Dachverband, mit Rechtsinformationen, Positionen und dem Weg zu Mitgliedsorganisationen in deiner Nähe.
Ärzt:innen finden
Lokale trans Gruppen sind fast immer der schnellste Weg herauszufinden, welche Praxen in deiner Stadt wirklich gut sind — sie führen informelle Listen, die keine offizielle Suchmaschine ersetzt. Frag in der queeren Beratungsstelle oder der Selbsthilfegruppe.
Familien von trans Kindern
Trakine ist das Netzwerk für Eltern und Familien von trans Kindern und Jugendlichen, mit Regionalgruppen und Erfahrungswissen zu Schule, Ämtern und Ärzt:innen.
Inter*
Inter* Menschen werden oft in queere Angebote hineingezählt, die sie gar nicht ansprechen. Die Themen sind häufig andere: Krankenakten, die man nie gesehen hat, Operationen, die im Kindesalter ohne Einwilligung durchgeführt wurden, und die praktische Frage, wie man Jahrzehnte später klare Antworten bekommt.
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Intergeschlechtliche Menschen e.V.
ist die bundesweite Selbstvertretung, mit Peer-Beratung und Unterstützung dabei, alte Behandlungsunterlagen zu bekommen.
Seit 2021 sind in Deutschland medizinisch nicht notwendige Operationen an den Geschlechtsmerkmalen von Kindern, die nicht selbst einwilligen können, weitgehend verboten.
Deine Unterlagen existieren. Kliniken müssen sie über Jahrzehnte aufbewahren, und du hast in der Regel ein Recht auf eine Kopie. Peer-Organisationen wissen, wie man fragt — und wie man weiterfragt.
Eltern, Partner:innen, Familie
Wenn dir gerade jemand gesagt hat, dass er queer oder trans ist: Deine erste Reaktion zählt weniger als deine zehnte. Menschen erinnern sich daran, ob du geblieben bist.
Das hilft meistens
„Danke, dass du es mir sagst.“ Kostet nichts und ist fast immer der richtige Anfang.
Fragen, was die Person von dir braucht, statt es zu raten.
Namen und Pronomen üben, wenn die Person nicht dabei ist — damit es sitzt, wenn sie dabei ist.
Sich kurz korrigieren und weiterreden. Eine lange Entschuldigung zwingt die Person, deine Gefühle zu managen.
Die eigenen Fragen in eine Elterngruppe tragen, nicht zu ihr.
Weiterhin ganz gewöhnlich miteinander umgehen. Als Projekt behandelt zu werden ist anstrengend.
Das hilft meistens nicht
„Bist du dir sicher?“ Die Person denkt erheblich länger darüber nach als du.
„Das ist nur eine Phase.“ Selbst wenn sich später etwas ändert: Dieser Satz bringt ihr bei, dir Dinge nicht mehr zu erzählen.
Vor ihr laut um das Kind trauern, das du dir vorgestellt hattest.
Es anderen erzählen, ohne vorher zu fragen.
„Ist mir egal, mach nur kein Thema draus.“ Das ist eine Bedingung, keine Annahme.
Warten, bis man überzeugt ist, bevor man anständig ist.
Gruppen für Angehörige
Die LSVD⁺ Landesverbände bieten Elterngruppen und Familienberatung, Trakine ist das Netzwerk für Familien von trans Kindern. Fragen zu Regenbogenfamilien — Adoption, Mitmutterschaft, Samenspende — gehen an die Regenbogenfamilien-Beratung des LSVD⁺.
Wenn zu Hause nicht mehr sicher ist
Rausgeworfen zu werden kommt vor, und es gibt Stellen genau dafür. Das Jugendamt ist verpflichtet, Minderjährigen in einer Krise zu helfen, und viele Städte haben queere Wohn- und Notschlafprojekte. Eine queere Beratungsstelle weiß, was es vor Ort gibt. Bei akuter Gewalt: 110.
Diskriminierung und Gewalt
Du darfst dich beraten lassen, ohne vorher zu entscheiden, ob du etwas unternimmst — und ohne dir sicher zu sein, dass es „schlimm genug“ war.
Antidiskriminierungsstelle des Bundes
0800 546 546 5
Mo–Do 9–15 Uhr, kostenlos. Beratung bei Diskriminierung in Arbeit, Wohnen, Behörden und Dienstleistungen, auch wegen sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Mail: beratung@ads.bund.de. Über die Website findest du außerdem Beratungsstellen in deiner Nähe.
Anti-Gewalt-Projekte
In Städten wie Berlin, Köln, Hamburg und München gibt es queere Anti-Gewalt-Projekte, die Übergriffe dokumentieren, zur Polizei begleiten und danach weiter unterstützen — unabhängig davon, ob du Anzeige erstattest. Eine queere Beratungsstelle stellt den Kontakt her.
Konversionsmaßnahmen
Sogenannte Konversionstherapien wirken nicht und richten belegten Schaden an. In Deutschland sind sie seit 2020 bei Minderjährigen verboten, ebenso das Bewerben und Vermitteln. Wenn du dazu gedrängt wirst — von Familie, einer Gemeinde oder einer Praxis — ist eine queere Beratungsstelle genau die richtige Adresse, vertraulich.
Wenn dein Land nicht sicher ist
Queer oder trans zu sein ist in rund einem Drittel der Länder dieser Welt strafbar und in weiteren gefährlich. Diese Organisationen arbeiten genau daran und sind es gewohnt, diskret kontaktiert zu werden.
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Rainbow Railroad
hilft LGBTQI+ Personen in Gefahr, in Sicherheit zu kommen — mit Nothilfe für Reisen, finanzieller Unterstützung, Relocation im Land und staatlich unterstützter Aufnahme. Anfragen laufen direkt über die Website.
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Queer Refugees Deutschland
— das LSVD⁺ Projekt berät queere Geflüchtete in Deutschland, vermittelt an lokale Gruppen und erklärt, wie sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität im Asylverfahren behandelt werden.
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ILGA World
veröffentlicht die weltweite Übersicht der Gesetze zu LGBTI-Rechten, Land für Land — die verlässliche Stelle, um die tatsächliche Rechtslage zu prüfen, bevor du reist oder umziehst.
Bevor du Kontakt aufnimmst, denk an das Gerät, das du benutzt, und daran, wer sonst darauf sehen kann. Die meisten dieser Organisationen erklären sicherere Wege, sie zu erreichen.
Sexuelle Gesundheit
Kostenlos, vertraulich und meist ohne Namen und ohne die Hausarztpraxis.
Die
Deutsche Aidshilfe
bietet anonyme Beratung und ein bundesweites Verzeichnis der lokalen Aidshilfen und Checkpoints mit günstigen oder kostenlosen Tests. Auch das Gesundheitsamt testet in vielen Städten anonym.
PrEP ist seit 2019 Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Mit HIV leben: Unter der Nachweisgrenze heißt nicht übertragbar. Eine wirksame Therapie senkt die Viruslast so weit, dass HIV sexuell nicht mehr weitergegeben werden kann — wissenschaftlich geklärt, auch wenn das Stigma hinterherhinkt.
Trans-spezifisch: Hormontherapie verändert die Fruchtbarkeit, manchmal schnell und manchmal dauerhaft — und sie ist keine verlässliche Verhütung. Ein offenes Gespräch mit einer kompetenten Praxis lohnt sich früh statt spät.
Community, nicht nur Beratung
Was das Leben langfristig besser macht, ist meistens keine Hotline. Es sind zwanzig Menschen, denen du nichts erklären musst.
Queere Zentren und Gruppen. Such nach „queeres Zentrum“, „CSD-Verein“ oder „LSBTIQ Jugendgruppe“ plus deiner Stadt. Viele haben einen offenen Abend, zu dem man einfach kommen kann.
Sport. Queere Sportvereine gibt es in den meisten größeren Städten und sie sind oft die leichteste soziale Tür — weil es etwas zu tun gibt außer reden.
Auf dem Land. Wenn in deiner Nähe nichts ist, sind Online-Gruppen ein vollwertiger Ersatz und kein schlechterer. Viele Landesverbände organisieren außerdem mobile oder digitale Treffen genau für Leute, die zwei Stunden von der nächsten Stadt entfernt wohnen.
Ältere queere Menschen. Vereinsamung im Alter ist ein reales Problem und hat eigene Angebote — mehrere LSVD⁺ Landesverbände haben Projekte für ältere LSBTIQ*.