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Depression

Zwischen dir und einer Behandlung steht meistens nicht dein Wille. Es steht ein Terminsystem, das dir niemand erklärt.

Depression ist eine der am besten behandelbaren Krankheiten überhaupt, und es gibt einen gesetzlich geregelten Weg zum Termin, von dem die wenigsten je gehört haben: eine Nummer, eine Frist, die das Gesundheitssystem einhalten muss, und ein erster Termin, den du ohne Überweisung, ohne Diagnose und ohne fertigen Plan buchen kannst.

Diese Seite ist dieser Weg, der Reihe nach — was du anrufst, was du sagst, was die Wörter auf den Formularen bedeuten, und wie es mit Geld und Arbeit weitergeht, solange du krank bist.

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Wenn heute das Problem ist

Nimm die erste Zeile, die auf dich passt. Alles Weitere auf dieser Seite muss heute nicht sein.

Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen

Das ist ein eigener Notfall — und auch das ist behandelbar, es ist kein Versagen von dir und keines dieser Seite. 112 bei akuter Gefahr. Die TelefonSeelsorge ist kostenlos und anonym rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, dazu Chat und Mail. Alles Weitere: kantholz93.com/suizid.

Du brauchst eine Ärztin, und es ist Sonntag

116 117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst — kostenlos, rund um die Uhr, ohne Überweisung. Wenn es schlimmer ist: Kliniken mit psychiatrischer Abteilung nehmen zu jeder Uhrzeit Menschen auf, und du darfst dort ohne Rettungswagen und ohne Termin selbst hingehen.

Du brauchst einen Therapieplatz und hast keinen

Ruf 116 117 an und verlange bei der Terminservicestelle eine psychotherapeutische Sprechstunde. Sie muss innerhalb einer Woche vermittelt werden, und der Termin muss innerhalb von vier Wochen stattfinden. Eine Überweisung brauchst du nicht. Das ist der nützlichste Satz auf dieser Seite.

Du kannst nicht arbeiten

Die Hausarztpraxis kann dich krankschreiben. Du brauchst keine Psychiaterin, keine Diagnose auf Papier und niemandes Erlaubnis — und der Arbeitgeber erfährt den Grund nie, denn auf der Bescheinigung steht keine Diagnose.

Du willst Informationen, keine Krisennummer

Das Info-Telefon Depression antwortet unter 0800 33 44 533 — Mo, Di und Do 13:00–17:00, Mi und Fr 08:30–12:30 Uhr — kostenfrei und anonym, zu Krankheit, Behandlung und Anlaufstellen. Es ist Information, keine Therapie; genau das macht den Anruf leicht.

Wenn Telefonieren das ist, was du nicht kannst

Das ist ein Symptom und kein Charakterfehler — und der Grund, warum so viele jahrelang unbehandelt bleiben. Die TelefonSeelsorge hat Chat und Mail. Und du darfst jemand anderen bitten, den Anruf bei 116 117 für dich zu machen und dir dann den Hörer zu geben. Das ist völlig normal.

Wie du in Deutschland tatsächlich an Therapie kommst

Die Reihenfolge ist entscheidend, und fast niemand erklärt sie. In dieser Abfolge wird aus einer aussichtslosen Suche eine Warteschlange mit Fristen.

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Zuerst immer die Sprechstunde

Seit 2017 beginnt jede Psychotherapie mit der psychotherapeutischen Sprechstunde — bis zu sechsmal 25 Minuten. Sie ist verpflichtend für jede weitere Behandlung, es führt also kein Weg daran vorbei und es lohnt nicht, danach zu suchen. Du brauchst dafür keine Überweisung und keine Diagnose. Ruf 116 117 an oder Praxen direkt.

2

Du gehst mit dem Formular PTV 11 heraus

Am Ende der Sprechstunde hält die Therapeutin fest, was sie empfiehlt, und gibt dir einen Bogen mit einem Code. Dieser Code schaltet die Fristen frei: Damit muss 116 117 innerhalb einer Woche eine Akutbehandlung vermitteln, mit Termin innerhalb von zwei Wochen. Heb das Formular auf. Fotografier es.

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Akutbehandlung ist die Brücke

Bis zu 24 Einheiten à 25 Minuten, gedacht zur schnellen Stabilisierung und nicht als vollständige Therapie — und sie ist nur anzeigepflichtig, nicht antragspflichtig. Die Stunden werden auf eine spätere Kurz- oder Langzeittherapie angerechnet, es geht also nichts verloren.

4

Probatorik: zwei bis vier Sitzungen zum Ausprobieren

Vor der eigentlichen Therapie stehen zwei bis vier Sitzungen à 50 Minuten, in denen ihr prüft, ob ihr miteinander arbeiten könnt. Du darfst danach aussteigen und es bei jemand anderem versuchen. Für den Erfolg zählt die Passung mehr als das Verfahren — und genau dafür ist diese Stufe da.

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Dann die Therapie, beantragt für dich

Die Praxis stellt den Antrag, du unterschreibst. Die Kurzzeittherapie läuft in zwei Schritten zu je 12 Stunden, zusammen bis zu 24, in der Regel ohne Gutachten. Langzeittherapie umfasst bis zu 60 Stunden bei Verhaltenstherapie und bei tiefenpsychologisch fundierter Therapie (erweiterbar auf 80 bzw. 100), bis zu 160 bei analytischer Psychotherapie (erweiterbar auf 300) und bis zu 36 bei systemischer Therapie (erweiterbar auf 48). Eine Stunde sind 50 Minuten.

Wenn es wirklich keinen Platz gibt

Wenn die Terminservicestelle nicht liefert und alle Praxen voll sind, gibt es einen zweiten Weg: die Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V. Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen oder hat sie sie zu Unrecht abgelehnt, muss sie die Kosten erstatten, soweit die Leistung notwendig war. Praktisch heißt das: Absagen dokumentieren — Liste mit Praxis, Datum und Antwort, gern zwei Dutzend Einträge — und den Antrag vor Behandlungsbeginn stellen. Es ist mühsam, wird oft zuerst abgelehnt und hat im Widerspruch regelmäßig Erfolg. Lass dir beim Schreiben von einer Praxis, die so arbeitet, oder von einer Patientenberatung helfen.

Was die Leitlinie tatsächlich empfiehlt

Die Nationale VersorgungsLeitlinie zur unipolaren Depression geht gestuft vor — und das zu kennen verändert, was du berechtigt einfordern kannst.

  • Erste, leichte Episode: zuerst niedrigschwellige Angebote — beratende Gespräche oder geprüfte Online-Programme. Medikamente sind nicht der automatische erste Zug.
  • Mittelgradig oder wiederkehrend leicht: Psychotherapie oder medikamentöse Behandlung. Beides ist als erste Wahl legitim, und du darfst eines davon bevorzugen.
  • Schwere Depression: beides soll kombiniert werden. Wenn du schwer krank bist und nur Tabletten ohne Aussicht auf Therapie bekommst — oder nur eine Warteliste ohne alles dazwischen —, ist das eine Lücke, die du in der Sprechstunde ausdrücklich benennen solltest.

Zu den Medikamenten, nüchtern

  • Sie brauchen Wochen, keine Tage. Rechne mit zwei Wochen, bis sich etwas bewegt, und länger bis zur vollen Wirkung. Nebenwirkungen kommen oft zuerst und lassen dann nach — genau deshalb setzen viele in Woche zwei ab und schließen daraus, es wirke nicht.
  • Sie sind keine Beruhigungsmittel und nichts für den Bedarfsfall. Sie wirken nach Plan, nicht an schlechten Tagen.
  • Nicht abrupt absetzen. Absetzen heißt ausschleichen, geplant mit der verordnenden Praxis. Plötzliches Absetzen kann ein paar raue Wochen machen, die man leicht für die zurückkehrende Krankheit hält.
  • Das erste Präparat ist ein Anfang, kein Urteil. Bis etwas passt, braucht es oft mehr als einen Versuch; wechseln ist normal und kein Zeichen für einen hoffnungslosen Fall.
  • Auch die Hausarztpraxis darf verordnen und begleiten. Du musst nicht auf einen Psychiatertermin warten — bei schweren oder unklaren Verläufen oder wenn nichts wirkt, lohnt die psychiatrische Einschätzung aber sehr wohl.

Arbeit, Geld und länger krank sein

  • Krankengeld läuft lange. Nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung zahlt die Krankenkasse wegen derselben Krankheit Krankengeld für längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Und niemand muss dem Arbeitgeber an irgendeiner Stelle sagen, worum es geht.
  • Der Rückweg darf schrittweise sein. Die stufenweise Wiedereingliederung nach § 74 SGB V lässt dich über Wochen mit steigender Stundenzahl zurückkehren, während du weiter krankgeschrieben bist und weiter Krankengeld beziehst. Die Ärztin legt fest, welche Tätigkeiten möglich sind; nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit soll das regelmäßig mitgeprüft werden. Frag ausdrücklich danach — es ist der Unterschied zwischen Zurückkommen und Rückfall nach vierzehn Tagen.
  • Reha gibt es genau dafür. Eine psychosomatische Reha — meist mehrere Wochen, stationär oder ganztägig ambulant — wird bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt, und Ablehnungen werden im Widerspruch häufig gekippt.
  • Die Tagesklinik ist die Mitte, die niemand erwähnt. Sie gibt dir Struktur und Intensität einer Station, während du zu Hause schläfst. Die Wartezeiten sind meist deutlich kürzer als auf einen ambulanten Therapieplatz.
  • Eine Schwerbehinderung ist möglich, wenn die Erkrankung anhält. Ein Grad der Behinderung von 50 bringt Zusatzurlaub, besonderen Kündigungsschutz und Steuerfreibeträge. Beantragt wird er beim Versorgungsamt — und er sagt nichts über deinen Wert, sondern verschafft dir Schutzrechte.

Für die Zeit dazwischen

Die Wartezeit zwischen der Entscheidung und der Behandlung ist die Stelle, an der Menschen aufgeben. Das hier hält den Boden — keines davon ersetzt eine Behandlung.

  • Selbsthilfegruppen und Foren. Örtliche Gruppen laufen über die Bündnisse gegen Depression und die Deutsche DepressionsLiga; die Stiftung Deutsche Depressionshilfe betreibt ein moderiertes Diskussionsforum. Menschen mit derselben Krankheit sind die Einzigen, denen du nichts erklären musst.
  • Halte einen Termin pro Woche mit irgendjemandem. Ein Hausarztbesuch, eine Gruppe, ein Spaziergang mit derselben Person. Der Mechanismus ist unspektakulär: Depression nimmt als Erstes die Struktur, und ein fester Punkt in der Woche ist die billigste Struktur, die es gibt.
  • Begleitete Online-Programme (digitale Gesundheitsanwendungen) können ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezahlt werden. Bei leichter bis mittelgradiger Depression sind sie wirklich brauchbar — als Ersatz für die Behandlung einer schweren Depression sind sie es nicht, und ungefähr das sagt auch die Leitlinie.
  • Mach die langweiligen körperlichen Dinge trotzdem. Zu festen Zeiten schlafen, nach Uhrzeit statt nach Appetit essen, bei Tageslicht raus. Das ist keine Heilung, und wer es als solche verkauft, war nie krank; es ist Instandhaltung, die verhindert, dass eine schlechte Woche sich aufschaukelt.
  • Sag einem Menschen die Wahrheit. Nicht allen. Einem. Verbergen kostet Energie, die du nicht hast, und die Einsamkeit des Sowohl-als-auch ist eine zweite Krankheit über der ersten.

Österreich, Schweiz und darüber hinaus

Österreich

Telefonseelsorge Österreich

142

Rund um die Uhr, jeden Tag, kostenlos und anonym — der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung. Dazu Chat täglich 16:00–23:00 Uhr, WhatsApp 17:30–19:30 Uhr und Mail mit Antwort innerhalb von 48 Stunden. Für Kinder und Jugendliche: Rat auf Draht 147, ebenfalls rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich.

Schweiz

Die Dargebotene Hand

143

Rund um die Uhr, persönlich, anonym und vertraulich, dazu Chat und Mail. Auf Englisch täglich 18:00–23:00 Uhr unter 0800 143 000. Für Kinder und Jugendliche: Pro Juventute 147 — kostenlos, rund um die Uhr und nicht auf der Telefonrechnung sichtbar, dazu WhatsApp 07:30–22:00 Uhr.

Vereinigtes Königreich und Irland

Samaritans

116 123

Kostenlos von jedem Telefon, rund um die Uhr, und der Anruf taucht nicht auf der Rechnung auf — im gesamten Vereinigten Königreich und in Irland. Ausführlich, samt NHS Talking Therapies und Aware, auf der englischen Fassung dieser Seite.

Sonst überall

Zwei Dinge gibt es fast überall, und beide taugen als Suchbegriff: eine nationale Depressionsgesellschaft, die veröffentlicht, wie Behandlung vor Ort aussehen sollte, und einen öffentlich finanzierten Weg zum Ersttermin, der schlecht beworben ist. Frag die Gesellschaft, wie Menschen tatsächlich einen Termin bekommen — sie kennt die Abkürzung, und es ist selten die, die auf der Ministeriumsseite steht.

Der Teil, den niemand aufschreibt

Das Grausamste an der Depression ist, dass sie genau die Fähigkeiten angreift, die du brauchst, um behandelt zu werden. Sie macht Telefonate unmöglich, Formulare unlesbar und die Zukunft unglaubwürdig — und dann sagt sie dir, in deiner eigenen Stimme und mit großer Autorität, das beweise, dass du nicht krank, sondern einfach nichts wert bist. Diese Stimme ist ein Symptom. Sie gehört zur Krankheit wie das Fieber zur Infektion, und sie verschwindet wieder — ärgerlicherweise nachdem du gehandelt hast, nicht vorher.

Deshalb ist der praktische Rat auf dieser Seite bewusst klein. Kein Plan. Ein Anruf bei 116 117 — oder eine Person, die ihn für dich führt. Die Latte liegt absichtlich so tief, weil das in einer schlechten Woche ehrlich alles ist, was zur Verfügung steht. Und es genügt, um die Fristen loslaufen zu lassen.

Zwei Dinge zum Festhalten während der Wartezeit. Die meisten depressiven Episoden gehen vorbei — auch die, die mit der vollständigen Gewissheit kommen, dass ausgerechnet diese nicht vorbeigeht. Und „therapieresistent" ist meistens ein Warteschlangenproblem, kein Problem an dir: Die meisten, die so genannt werden, hatten ein Antidepressivum über sechs Wochen und gar keine Psychotherapie. Das ist keine gescheiterte Behandlung, sondern eine unvollständige.

Und wenn es so weit ist, dass du planst, dir das Leben zu nehmen: Behandle das als eigenen, sofortigen Notfall — kantholz93.com/suizid. TelefonSeelsorge, 0800 111 0 111, kostenlos und anonym, rund um die Uhr.